Abkehr von der Wegwerfgesellschaft

 

Seit Juni 2016 gibt es das Reparaturcafé Oberreute: Ehrenamtliche machen Alltagsgegenstände wieder flott

Beim Kaffeevollautomat fließt kein Kaffee mehr heraus. Die Nähmaschine läuft nicht mehr. Die Gummibänder der Gartenmöbel-Auflagen sind abgerissen. Der Drucker schmiert. Um solch kaputte Dinge des Alltags kümmern sich seit zwei Jahren die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Reparaturcafés Oberreute. „Hilfe zur Selbsthilfe“ heißt das Motto des Reparaturcafés, das dem bundesweiten Repair-Café-Verbund angehört. „Wir sind begeistert, dass unser Reparaturcafé so gut angenommen wird“, betont Gründerin Cornelia Fink aus Oberreute. Dass einmal 30 und mehr Reparaturen an einem Nachmittag aus dem ganzen Westallgäu kommen würden, damit hätte die Ideengeberin nie gerechnet. „Man sieht, dass upcycling wohl im Trend liegt und viele sich abkehren von der Wegwerfgesellschaft.“

Diese Philosophie steht im Reparaturcafé im Vordergrund. Besucher nehmen defekte Gegenstände von zu Hause mit. Im Reparaturcafé, das jeweils am zweiten Samstag eines jeden Monats in gemeindlichen Räumen in der Hauptstraße 35 seine Pforten öffnet, machen sie sich gemeinsam mit einem Fachmann oder einer Fachfrau an die Arbeit. „Unser Reparateure-Team umfasst mittlerweile 24 Ehrenamtliche, darunter einige Elektriker, Schweißer, Näherinnen, Dekorateurinnen, Mächler und natürlich unser Küchenteam“, erklärt Stefan Wurm, der selbst seit Anfang an als freiwilliger Reparateur dabei ist.

80 Prozent der gebrachten Gegenstände werden im Reparaturcafé wieder flott gemacht. Das Reparatur-Café Oberreute hat auch spezielle Thementage wie Krippenrestauration im November, Faschingskostüme aufpeppen im Januar oder Fahrräder-Check im Frühling, Wichtig bei allen Reparaturen ist Cornelia Fink, dass die Besucher pro Nachmittag nur einen Gegenstand mitbringen. Außerdem soll dieser bis spätestens 16 Uhr abgegeben werden. Geöffnet hat das Reparaturcafé von 14 bis 17 Uhr.

Wer beim Reparieren nicht mithelfen möchte, der kann in Ruhe eine Tasse Kaffee genießen. „Bezahlt wird im Reparaturcafé Oberreute alles auf Spendenbasis“, betont Conny Fink.

 

Meist bringen die Besucher Elektrogeräte

„Defekte an Elektrogeräten sind unsere Hauptarbeit“, erklärt Conny Fink, die die Anmeldeformulare samt Haftungsbegrenzung und die Rückgabe durch die Reparateure kontrolliert. „Wir schreiben immer auf, wie lange eine Reparatur gedauert hat, damit der Besitzer dementsprechend eine Spende machen kann.“ Denn: Fixe Preise hat das Reparaturcafé nicht. „Es ist alles auf Spendenbasis und das Geld reinvestieren wir jeden Monat in den Kauf von Werkzeugen, besonderen Lampen für unsere Mechler, Plakate oder sonstiges Material“, betont Fink.  „Den Rest spenden wir jedes Jahr an gemeinnütze Zwecke“, hebt Cornelia Fink hervor. So bekam im ersten Jahr der Kindergarten Oberreute sowie das Kinderhospiz in Bad Grönenbach jeweils 250 Euro. „In diesem Jahr haben wir sogar 1000 als Spende zu vergeben. Dieses Geld soll an die St. Martins Förderschule in Lindenberg und an die Organisation Engel unterwegs fließen“, weiß Cornelia Fink schon jetzt.